Das Panorama - ein unentbehrliches Werbemittel für den Tourismus

"Panorama, die zeichnerische oder photographische Wiedergabe eines Rundblickes von einem erhöhten Standpunkt aus. Das P.
eignet sich besonders zur Darstellung der Horizontlinien von Gipfelpunkten aus".

"Vogelschaubild, eine zentral- oder parallelperspektivische Geländeabbildung mit sehr hoch liegendem Augenpunkt. Das V. ist
entweder photographisch aufgenommen (Luftbildschrägaufnahme, Luftbild) oder in Form von Freihandskizzen. Bei der
Darstellung grösserer Gebiete spricht man auch von Vogelschaukarten."

Diese zwei Definitionen, zitiert aus einem Handbuch der Geographie, charakterisieren auch heute noch die inzwischen gebräuchlich gewordenen Geländedarstellungen in Schrägansicht. Sie sind hauptsächlich für die Bedürfnisse der Touristikinformation entwickelt worden.

Die Ansicht eines Geländeausschnittes schräg von oben kann zwar eine topographische Karte nicht ersetzen, hat aber ihr gegenüber einige Vorzüge. Sie bietet dem Beschauer Überblick und Einblick zugleich, lässt Höhenunterschiede, Geländeformen, Bergsilhouetten etc. viel unmittelbarer als die Karte erkennen und zeigt auch durch die malerische Gestaltung die Oberflächenstrukturen deutlicher. Gerade in gebirgigen Landschaften kann durch eine gewisse Überhöhung der Berge der plastische Eindruck verstärkt werden. Während die topographische Karte das Gelände im Grundriss exakt und mehr oder weniger abstrakt wiedergibt, vermittelt das Panorama eine perspektivische Raumvorstellung in erzählender Weise mit grünen Wäldern und Wiesen, spiegelnd blauen Seen und weissen Gletschern und Firnfeldern.

Bei der Konstruktion eines Panoramas wird unterschieden zwischen Parallel- und Zentralperspektive, sowie Näherungskonstruktionen, die oft erforderlich sind, um den besonderen Wünschen und Bedürfnissen des Auftraggebers gerecht werden zu können. Häufig müssen touristisch wichtige Punkte oder Gebiete betont werden, Einblicke in sonst verdeckte Täler gewährt oder Skigebiete hervorgehoben werden. Es bleibt dem Geschick des Panorama-Malers überlassen, diese manchmal schwer zu erfüllenden Wünsche mit den Gesetzen der Perspektive in Einklang zu bringen, ohne das Landschaftsbild übermässig zu verzerren. Welche Konstruktionsart gewählt wird, hängt von der jeweiligen Aufgabenstellung ab.

 

 

 

 

Die von mir am häufigsten verwendete Konstruktion ist die "progressive Zentral-Perspektive", wie sie die nebenstehende Figur zeigt.

Im Vordergrund liegt der Fluchtpunkt hoch und der Blick richtet sich steil nach unten. Von Feldreihe zu Feldreihe wird der Fluchtpunkt niedriger gesetzt bis der Blickwinkel am Horizont in die Waagerechte übergeht. So entsteht ein natürlich erscheinendes Landschaftsbild ohne die extremen Verzeichnungen eines Fotos.

Die Entstehung eines Panoramas

In eingehenden Besprechungen mit dem Auftraggeber werden zunächst die Aufgabenstellung klar und eindeutig definiert und die speziellen Vorstellungen und Anforderungen geklärt. Auf der Karte wird das betreffende Gebiet abgegrenzt und der geeignetste Blickwinkel festgelegt.

Oft wird es nötig sein, das Gebiet zu überfliegen und eine grosse Zahl von Luftaufnahmen zu machen, da es nur so möglich ist, die charakteristischen Eigenheiten der Landschaft zu erfassen und die typischen Silhouetten der Berge naturgetreu wiederzugeben. Wenn man den Piloten in die genauen Positionen und Flughöhen dirigieren kann, entstehen Luftaufnahmen, die eine grosse Hilfe bei der Ausarbeitung des Panoramas sind. Seit einiger Zeit verfügen wir mit den Computer-Reliefs wie z.B. Google-Earth über eine weitere Möglichkeit, die Landschaft wirklichkeitsgetreu und detailliert wiederzugeben.

Sehr wichtig ist unter Umständen auch das Studium der geologischen Beschaffenheit eines Gebietes, da unterschiedliche Gesteinsarten (z.B. Sediment, Urgestein) sehr verschiedene Gebirgsformationen bilden können.

Als nächster Schritt entsteht eine erste Bleistiftskizze, die dem Besteller Gelegenheit bietet, zu überprüfen, ob seine Vorstellungen in befriedigender Weise umgesetzt worden sind. Oft erweist es sich als nötig, weitere Skizzen anzufertigen, bis die optimale Lösung gefunden ist. Nach der Genehmigung der Skizze kann mit der Ausführung des farbigen Originals begonnen werden.

Von grosser Wichtigkeit für den Stimmungsgehalt eines Panoramas ist die Farbskala des Himmels und der Wolken. Die Luftperspektive - d.h. das Zunehmen der Farb- und Helldunkel-Kontraste zum Vordergrund hin - geben dem Bild räumliche Tiefe. Ein feiner Dunstschleier zwischen den einzelnen Bergketten kann diese Tiefenwirkung noch steigern. So wird von oben nach unten, vom Hintergrund zum Vordergrund eine Bildpartie nach der anderen ausgearbeitet.

Bahnen, Wanderwege, Skipisten, Piktogramme, Ortsnamen etc. werden nach der Reproduktion am Computer eingezeichnet, so dass eventuelle Korrekturen und Ergänzungen bei späteren Auflagen ohne grossen Aufwand möglich sind.

Als ich vor über 30 Jahren mit den ersten Panoramen begann, war das eine Gelegenheitsarbeit neben anderen graphischen Gestaltungsaufgaben. Sehr schnell begann mich diese Aufgabe zu faszinieren, und ich habe es nie bereut, mich ganz auf dieses Gebiet spezialisiert zu haben. Inzwischen ist eine grosse Zahl von Panoramakarten in verschiedenen Ländern entstanden, und da man auf diesem Gebiet nie auslernt, stellt jeder Auftrag eine neue Herausforderung dar, die den ganzen Einsatz erfordert.

Winfried Kettler

 


Entwurfskizze (Ausschnitt)


Original (Ausschnitt)

 

Zum Seitenanfang